Achtsamkeit

 

Achtsamkeit wird oft synonym mit Aufmerksamkeit, Bewusstsein oder Gewahrsein genannt. Achtsamkeit liegt im Trend: zahlreiche namhafte Zeitschriften wie Spiegel, Fokus, Psychologie Heute schreiben über Achtsamkeit (mehr unter –> MBSR/Forschung). Einige lassen Achtsamkeit viel schwieriger erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Tatsächlich wissen wir selbst bereits, was Achtsamkeit ist. Das Problem ist nur, dass wir vielleicht nicht glauben, es zu wissen oder dass es so einfach ist.

 

Meistens entstehen Momente von Achtsamkeit eher zufällig: bei einer körperlichen Anstrengung, in der Natur, bei der Geburt eines Kindes, wenn wir uns verlieben. Wir sind hellwach, klar, vollkommen präsent. Die Gedanken stehen nicht mehr so im Vordergrund, wir „sind“ einfach. Meistens sind das lebendige Momente, an die wir uns lange erinnern.

 

Achtsamkeit ist eine uns innewohnende Qualität

Diese zufälligen Momente können jedoch bewusst vermehrt werden, indem wir unsere Achtsamkeit weiter verstärken. Indem wir diese Fähigkeit unseres Geistes trainieren, so wie wir beim Sport unsere Muskeln trainieren. Achtsamkeit ist eine Qualität des Geistes, die jeder von uns besitzt. Es ist eine Art, Dinge freundlich zu betrachten, so wie sie sind; ohne aus ihnen auszuwählen, ohne zu vergleichen oder zu beurteilen, ohne irgendetwas anders haben zu wollen, als es gerade in diesem Moment ist.

 

Achtsamkeit ist wie der Himmel

Achtsamkeit ist wie der blaue Himmel: weit, offen, klar. Unsere Gedanken, Empfindungen und Gefühle sind wie die Wolken: scheinbar mächtig, aber in Wirklichkeit flüchtig und substanzlos. Steigen wir an dunklen Regentagen in ein Flugzeug, sind wir vielleicht überrascht, wenn wir hinter der dichten dunklen Wolkendecke den blauen weiten Himmel entdecken. Der Himmel, der immer da ist und sich weder von Gewitter und dunklen Regenwolken bedroht fühlt, noch von Regenbögen geschmeichelt.

 

Achtsamkeit führt uns ins Jetzt und Hier

Achtsamkeitstraining schult die allgemein menschliche Fähigkeit des Geistes, sich ganz und gar mit dem jetzigen Moment zu verbinden. Wir lernen jeden Moment unseres Lebens wirklich anwesend und nicht ständig mit der Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt zu sein. Wir verbinden uns mit unseren Sinnen: schmecken, riechen, sehen, hören, ohne uns ständig von unseren Gedanken davontragen zu lassen. Wie oft geschieht es uns, dass wir vor dem leeren Teller sitzen und uns fragen: habe ich eben wirklich etwas gegessen? Oder den Motor des Autos ausstellen, ohne zu wissen wie wir eigentlich ans Ziel gekommen sind?

 

„Ich habe das Gefühl, dass ich in jedem Moment, wenn ich achtsam aufräume, Wäsche wasche oder die Kinder versorge, mein Leben zurückgewinne. Ich habe erfahren, wie befreiend es ist, wenn ich nicht alles als Pflicht ansehe mit der Haltung, dass das eigentliche schöne, entspannte Leben erst nach Feierabend beginnt. Auf die Weise verpasse ich mein ganzes Leben, denn nach Feierabend bin ich müde und verschiebe es auf morgen. Ich habe jetzt acht Wochen lang geübt, wieder selbst zu bestimmen, was in meinem Alltag wirklich wichtig ist, und auch die schönen Dinge wieder wahrzunehmen.“

(Elisabeth)

 

Achtsamkeitstraining ist Achtsamkeitsmeditation

Im Westen gibt es sehr viele verschieden Arten und Formen Meditation zu üben. Es gibt Bewegungsmeditationen, Mantrameditationen, Fantasiereisen, Chakra und Aurameditationen und noch viel mehr.

 

Wenn wir hier das Wort Meditation benutzen, meinen wir das Training in Achtsamkeit. Die Fähigkeit den jetzigen Moment so wahrzunehmen, wie er ist, mit allen Facetten. Es wird weder ein Zustand von Gedankenleere angestrebt noch eine Weltflucht. Im Gegenteil: es geht darum geschickte Wege zu erlernen, um gelassener mit allen Geschehnissen im Leben umgehen zu können.

 

Diese Form der Achtsamkeitsmeditation hat ihre Wurzeln in der buddhistischen Tradition. Sie wird dort als „Schulung des Geistes“ oder „Geistestraining“ bezeichnet. Auch wird von der „Wissenschaft des Geistes“ gesprochen, da dieser ganz bewusst erforscht und beobachtet wird. Im Mittelpunkt der Achtsamkeitsmeditation steht das bewusste Nicht-Tun und Sein.

 

Jeder kann meditieren

„Wenn Sie glauben, Sie seien nicht in der Lage zu meditieren, dann ist das etwa so, als glaubten Sie, Sie seien nicht fähig zu atmen, sich zu konzentrieren oder sich zu entspannen. So gut wie jeder kann ohne große Mühe atmen, unter entsprechenden Umständen vermag so gut wie jeder sich zu konzentrieren, und alle Menschen können sich entspannen.“

(Jon Kabat-Zinn)

 

Aber wir müssen es üben! Wir selbst, nicht unsere Schwester oder unser Vater oder unsere Freundin. Es nützt auch nichts viele Bücher über Achtsamkeit zu lesen oder viel darüber zu reden. Das wäre so, als ob wir uns lange Gedanken über ein leckeres Gericht machen. Gemütlich einkaufen gehen, es dann liebevoll zubereiten und dann aber nicht essen! Kein Wunder, dass wir hungrig bleiben.

 

Achtsamkeitsqualitäten

Wir üben uns in Achtsamkeit von Moment zu Moment, indem wir uns liebevoll all unseren Erfahrungen zuwenden; den Sinnesempfindungen, den Gedanken und Gefühlen. Nicht, um über sie noch mehr nachzudenken, sie zu analysieren oder verstehen zu wollen, sondern um sie zu erforschen, um im gegenwärtigen Moment anwesend zu sein, so wie er gerade ist; sei er angenehm, unangenehm oder neutral. Wir üben uns in Qualitäten des Geistes wie „Nicht-Beurteilen, Geduld, den Geist eines Anfängers bewahren, Vertrauen, Nicht-Greifen, Akzeptanz und Loslassen“.

 

Wirkungen vom Achtsamkeitstraining

Wir können durch das Training in Achtsamkeit tiefe Entspannung und Ruhe erleben. Wir können zu Einsichten gelangen, die aus unserer eigenen inneren Weisheit entstehen. Es ist, als ob sich eine Tür öffnet, in ein unbekanntes Land voller Möglichkeiten. Ein Land, in dem Heilung möglich ist. Ein Land, in dem das eigene Ganz-Sein direkt erfahren werden kann. Es ist, als ob wir wirklich nach Hause kommen.

 

Eine Reise von 10.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt

Bevor wir eine Reise in ein fremdes Land wagen, kaufen wir uns Reiseführer, sprechen mit anderen Menschen, die vielleicht auch schon einmal das gleiche Land bereist haben, lernen die Sprache, packen Proviant ein. Und dann geht's los:

 

Seien Sie neugierig und freuen Sie sich auf sich selbst!


„Zu meditieren bedeutet nicht, dass man zu einer Art Zombie, zu einer Pflanze, zu einem selbstversunkenen Narzissten, Nabelbeschauer, Traumtänzer, Kultanhänger, Guru-Verehrer oder östlichen Philosophen werden muss.
In der Meditation geht es ganz einfach darum, man selbst zu sein und sich allmählich darüber klarzuwerden, wer das ist ...
Es geht nicht darum, bestimmte Gefühle zu haben. Es geht nicht darum, den Geist leer zu machen oder zu beruhigen, obgleich man durch Meditation die Geistesruhe vertiefen und systematisch entwickeln kann. Vielmehr geht es in erster Linie darum, den Geist so sein zu lassen, wie er ist, und etwas darüber zu lernen, wie er in diesem Augenblick ist. Keinesfalls ist das Ziel des Übens, irgendwo anders hinzugelangen, sondern es geht nur darum, sich selbst zuzugestehen, dort zu sein, wo man ohnehin ist.“

(Jon Kabat-Zinn)